Wenn ich Freunden erzähle, daß ich Weltraumbriefe sammle, höre ich manchmal: "So ein Blödsinn! Schreibt vielleicht Alf (oder gar ET) dem Mann im Mond?". Tatsächlich gibt es schon seit mehr als fünfzehn Jahren einen regen Postverkehr zwischen Raumstationen und der Erde. Diesen ausgefallenen, aber interessanten Teilbereich der Philatelie möchte ich mit diesem Buch beleuchten.
Die Pionier-Raketenpost der Zwischenkriegszeit wird zu recht als Vorläufer der eigentlichen kosmischen Post angesehen. Bereits Ende Mai 1928 ließ der Grazer Student Friedrich Schmiedl den selbstgebauten Stratosphärenballon FS 1 von einer Wiese in den Murauen in eine Höhe von 18.800 Meter auf. Er war nicht nur mit Meßgeräten sondern auch mit der ersten Stratosphärenpost, 200 mit selbstgefertigten Dreiecksmarken frankierten Briefumschlägen, beladen. In einer Höhe von 16.000 Metern zündete ein adaptiertes Barometer eine 5 cm lange Rakete. Schmiedi hatte an ihr einen Miniatur-Brief befestigt, für den er die ersten Raketen-Vignetten gedruckt hatte. Sie unterschieden sich nur durch eine kleine weiße Rakete über dem Ballon von den dreieckigen Vignetten der Stratosphärenballon-Briefe. Die kleine Rakete wurde allerdings nie aufgefunden. Der Ballon mit den Umschlägen landete in Ungarn und wurde Schmiedl zwei Wochen nach dem Aufstieg zurückgegeben.